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Presseberichte

Meilensteine der Musikgeschichte

Lippe Aktuell, 3. Juli 2010
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Die Junge Philharmonie begeisterte im Konzerthaus
Detmold (wwk). Die rund 70 jungen Musiker der Jungen Philharmonie OWL hatten sich Meilensteine der Musikgeschichte in ihrer diesjährigen Arbeitsphase vorgeknöpft und in nur sieben Tagen ein Programm auf die Beine gestellt, dass sich nicht nur sehen, sondern vor allem auch hören lasssen konnte.
Nach einer recht populärwissenschaftlich und kurzweilig gestalteten Werkeinführung durch Sandra Niermann - ihres Zeichens Studentin der Musikvermittlung/Konzertpädagogik - , machte die Junge Philharmonie den Auftakt mit Maurice Ravels "Bolero", der sein einziges Meisterwerk bleiben sollte, auch wenn Ravel selbst den Musikgehalt dieser Auftragskomposition für die Tänzerin Ida Rubinstein aus dem Jahre 1928 zeitlebens anzweifelte.
Wie dem auch sei, der Jungen Philharmonie gelang es bravourös, diese recht simpel gestrickte Komposition aus zwei sich ständig wiederholenden Themen über einem charakteristischen Ostinato-Rhythmus zu Musik werden zu lassen. Wie ein Uhrwerk hielt Orchesterleiter Siegfried Westphal mit seinem präzisen Dirigat Schlagzeuger und tiefe Streicher im Pizzicato-Spiel zusammen, um den solistisch hervortretenden Melodieinstrumenten ein rhythmisches Fundament zu schaffen, über dem sie sich durch ständigen Instrumentationswechsel über sage und schreibe 15 Minuten zu einem riesigen Orchestercrescendeo frei entfalten und in einem gemeinsamen Höhepunkt entladen konnten. Gerade die Popularität dieses Stückes macht es für ein Orchester nicht leicht, der Erwartungshaltung des Publikums gerecht zu werden, doch getragen von besonderen Einzelleistungen wie die der Flötistin Helen Dabringhaus, die mit ihrem cantablen und gut intoniertem Flötensolo eine hervorragende Vorlage gab, die ebenbürtig leider nur von der Es-Klarinette mit dem zweiten Thema aufzugreifen vermocht wurde, hinterließ das junge Orchester zunehmend einen sehr positiven Eindruck, der sich vor allem auch in dem sehr homogenen Streicherapparat manifestierte.
Nach so einem musikalischen Feuerwerk war es für die Akteure schwer, mit Brahms´Klavierkonzert Nr. 1 in d-Moll nahtlos an diese Leistung anzuknüpfen. Gerade im ersten Satz war den Bläsern noch deutlich die Herausforderung des Boleros ins Gesicht geschrieben, und einige Intonationsprobleme ließen die vorangegangene Souveränität in der Bewerkstelligung solistischer Passagen schlichtweg vermissen.
Auch schien das Orchester die diffizile thematisch-motivische Arbeit Brahms´nicht vollständig erschlossen zu haben. Gab Pianist Markus Gorski mit seinen gut herausgearbeiteten Motivabspaltungen trotz gesundheitlicher Einschränkungen doch durchaus verwertbare Vorlagen, wurden diese zu selten aufgegriffen, und Solist und Orchester wollten im Maestoso einfach nicht verschmelzen. Auch wenn das Orchester durchaus die konträren Stimmungen des Satzes zu zeichnen vermochte, waren die Übergänge zwischen Solo- und Tuttipassagen zu hart und so wünschte man sich so manches Mal, Brahms wäre bei seiner ursprünglichen Konzeption dieser Komposition als Sonate für zwei Klaviere geblieben.
Der Adagio-Mittelsatz - von Brahms als musikalisches Portträt Clara Schumanns verstanden - stellte sich aber zum Glück als Wendepunkt heraus. Hier lief Solist Markus zu technischer Höchstform auf und auch die Dialoge zwischen Klavier und Orchester, die ebenso für den abschließenden Rondo-Satz von größter Bedeutung sind, wurden transparenter. Trotz aller Steigerung von Satz zu Satz wollte beim Brahms der Funke aber nicht mehr so richtig überspringen.
Den zweiten Teil dieses fast dreistündigen Marathon-Programms, das die jungen Musiker sowohl konditionell als auch spieltechnisch auf eine harte Probe stellte, bildete Sergej Prokofjews Sinfonie Nr. 5 aus dem Jahre 1944. Entgegen der Bezeichnung "Kriegssinfonie" ist sie schon allein aufgrund ihres tonalen Charakters vöölig losgelöst von den politischen Wirren des zweiten Weltkrieges und erinnert mit ihren teils burlesken und tänzerischen Anklängen stark an Filmmusik.
Der Jungen Philharmonie schien dieses Werk sehr viel mehr zu liegen als das Brahmsche Klavierkonzert, zeichnete sich das Orchester hier doch durchweg wieder durch seinen großartig homogenen Streicherapparat aus, der die ganze spieltechnische Bandbreite ausschöpfte und einmal mehr von dem Talent dieser jungen Musiker sowie der gemeinsamen Freude am Musizieren zeugte.
Wie Orchesterleiter Siegfried Westphal in seiner Ansprache so anschaulich formulierte: Bei dem Projekt der JPO geht es nicht nur darum, das Publikum mit gut dargebotener Musik zu begeistern, sondern auch die jugendlichen Musiker selbst in der heutigen Zeit noch an diese Musik heranführen zu können. Da - wie in so vielen Bereichen - mangels leerer Kassen auch der JPO die Fördergelder seit diesem Jahr gestrichen worden sind, freute sich Westphal umso mehr über die zahlreichen Sponsoren und die Unterstützung der OWL-Bigband, die mit ihrem anschließenden Auftritt im Foyer des Konzerthauses weiteres Geld in die Kasse des Nachwuchsorchesters zu spülen versuchte, um auch in den Folgejahren die nunmehr vierzehnjährige Aufbauarbeit in dieser Qualität weiter fortsetzen zu können.
Das Publikum zollte der hervorragenden Leistung gebührenden Applaus und wurde anschließend mit einem schwungvollen Marsch Prokofjews sowie einem Walzer Khatschaturians als Zugabe mehr als zufriedenstellend belohnt.

Bolero statt Fußball

Neue Westfälische Bielefeld, 29. Juni 2010
Junge Philharmonie OWL in der Oetkerhalle

VON CHRISTOPH GUDDORF; Bielefeld.
Nachdem sich im fernen Südafrika ein wahrscheinlich einmaliger sporthistorischer Moment ereignet hatte, sollte im Großen Saal der Rudolf-Oetker-Halle ein musikhistorisch einzigartiges Werk wiederkehren. Der bekannte Ausspruch Maurice Ravels, der "Bolero" sei sein einziges Meisterwerk, nur enthalte es leider keine Musik, wurde ein weiteres Mal ad absurdum geführt, diesmal durch die Junge Philharmonie OWL. Das Ensemble unter der Leitung von Siegfried Westphal hatte sich erneut während einer einwöchigen Probenphase insgesamt fünf anspruchsvolle Werke der klassisch-romantischen Literatur zur Brust genommen. Dabei standen neben Ravels "Bolero" Sergej Prokofjews 5. Sinfonie sowie (als Zugaben) der Marsch aus dessen Oper "Die Liebe zu den drei Orangen" und Aram Khachaturians Walzer aus der Bühnenmusik "Masquerade" auf dem Programm. Gemeinsam mit dem Solisten Markus Gorski wurde darüber hinaus Johannes Brahms 1. Klavierkonzert erarbeitet.
Zunächst wurde jedoch "getanzt", ist doch Ravels Musikstück in Form eines spanischen Balletts angelegt. Nachdem sich der sukzessive farbenreicher gestaltete rhythmische Impuls inspiriert entwickelt hatte, geriet er gerade bei der entscheidenden harmonischen Wendung ins Stocken, als die Bläser ihren Einsatz verpassten. Diese Stelle ist nur eine der Tücken des "Bolero", dessen scheinbare Monotonie es zu überwinden gilt. Glücklicherweise hält er noch ein furioses Ende bereit, das den jungen Musikern äußerst platziert gelang.
Ob sich Markus Gorski beim Versuch, den "Bolero" zu tanzen verletzt hat, ist nicht überliefert, jedenfalls bahnte er sich auf Gehstützen den Weg zum Flügel. Ebenso behutsam wie der Gang auf die Bühne gestaltete sich allerdings auch die Eröffnung seines ersten rein solistischen Parts. Melodische und motivische Fortspinnungen schienen auch im weiteren Verlauf des Maestoso (1. Satz) durch zusätzliche Rubati eher unterbrochen als bekräftigt. Die Solostimme erhielt entgegen des sinfonischen Charakters mehr Gewicht als von Brahms gedacht. Die klangfarbliche Einbettung der Klavierstimme in den Klang des Orchesters gelang indes trefflich. Das Adagio strahlte die ihm aufgetragene Ruhe aus, die Gorski entsprechend auszukosten wusste. Vor allem aber das finale Rondo machte einen geschlossenen Eindruck. Auch wenn der Beginn der Fuge bei den Streichern für "Unruhe" sorgte, erfüllte gerade der furiose Schlussteil alle kompositorischen Herausforderungen.
Diese zeichnen auch Prokofjews Sinfonie aus, in ihrer Tonsprache weniger europäisch beeinflusst als durch Merkmale der russischen Avantgarde. Der Jungen Philharmonie OWL gelang es, neben den spieltechnischen Herausforderungen Prokofjews typischer Ironie und "Abenteuerlust" gerecht zu werden: das karikierende Element des schroff-dissonanten Scherzos kam ebenso zur Geltung wie das in sich gekehrte Lamento des Adagio und das galoppierende Element des in einem Gefühlssturm endenden finalen Allegros.
Alle Achtung! Und die Zugaben sprühten vor Musizierlaune und Elan.
Am Ende lautstarker und lang anhaltender Beifall der spärlich gekommenen Zuhörer.

Mehr als Entertainment

Lippische Landeszeitung, 29. Juni 2010
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Ravel, Brahms, und Prokofjew: Junge Philharmonie OWL gibt gelungenes Konzert in Detmold
Detmold. Die Junge Philharmonie OWL hat im voll besetzten Konzerthaus auf eindringliche Weise bewiesen, dass Musik mehr ist, als bloßes Entertainment. Schon, um dieses kulturelle Erbe der Aufklärung und damit jeder friedliebenden Gesellschaft zu erhalten, ist die Junge Philharmonie Ostwestfalen-Lippe unentbehrlich.
Gerade in Zeiten knappen Geldes verrät die Politik, ob sie das verstanden hat. Der Dirigent des Jugendsinfonieorchesters, Siegfried Westphal, sah sich genötigt, um Spenden zu bitten. Der Kreis Herford hat seine Unterstützung dieser so bedeutenden Einrichtung eingestellt. Das ist angesichts der leeren öffentlichen Kassen zu verstehen, aber nicht zu entschuldigen.
Wie wichtig die Arbeit ist, die eine Institution wie die Junge Philharmonie OWL leistet, an deren jährlichen Arbeitsphasen - bei entsprechenden Voraussetzungen - Mädchen und Jungewn, die ab dem 12. Lebensjahr teilnehmen können, bewies auch das Konzert in Detmold.
Das Spiel der jungen Musiker zeigte, dass sie in der Orchesterarbeit zu verstehen lernen, wie es einem Maurice Ravel gelingt, ein einziges Thema zu einer faszinierenden Klangwelt aufzufächern, die beispielgebend zeigt, was man aus einer Idee machen kann, weil er sein "Handwerk", das Instrumentieren und Komponieren versteht. Sie lernen, wie ein Johannes Brahms in seinem ersten Klavierkonzert ohne jede vordergründige Effekthascherei einen Solospieler (einen Pianisten) und eine Gruppe (das Orchester) zu einer "gläubigen" Gemeinschaft zusammenführt, die durch diese Gemeinschaft hindurch einander selbst übertreffen. Und sie lernen in Sergeij Prokofjews fünfter Sinfonie, einer kraftvollen Klangwelt eine verspielte Leichtigkeit oder gar tänzerisches Vergnügen hinzuzufügen.
Sie lernen darüber hinaus, dass eine (Orchester-) Gemeinschaft nur gelingen kann, wenn alle aufeinander hören und jeder jeden berücksichtigt. Und dass nur einer dann das Sagen hat (der Dirigent), wenn er wirklich was zu sagen hat, also zu überzeugen vermag. All das sind grundlegende Tugenden einer sicheren Gesellschaft, die beim Musizieren beispielgebend eingeübt werden. Und die die Zuhörer durch die Musik hindurch hören können.
In Detmold haben die Zuhörer auch das gehört. Und sie haben immer wieder begeistert geklatscht. Denn es erfüllt jeden einzelnen mit Freude, wenn er erlebt, dass Gemeinschaft gelingt, gerade auch wenn es kein vordergründiges Miteinander bleibt, sondern tief in die Sache eindringt. (ans)

Bis an die Grenzen des Leistbaren

Westfalenblatt Paderborn, 22. Juni 2010
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OWL-Jugendorchester konzertiert fast drei Stunden
Von Günther Wiedemann
P a d e r b o r n (WV). Mit einer reizvollen Mischung aus Werken der Gegenwart bis zur Zeit des 19. Jahrhunderts haben nach einer nur einwöchigen gemeinsamen Probenphase 80 hochbegabte Musiker der »Jungen Philharmonie OWL« unter der Leitung von Siegfried Westphal am Sonntag in der Paderhalle gastiert.
Zu Beginn erklang der »Bolero« von Maurice Ravel, der zu den meistgespielten und phonstarken »Reißern« der internationalen Orchesterkultur gehört. Ein viertelstündiges Crescendo in Zeitlupe lässt die Instrumente in Verbindung mit einem unerbittlich durchzuhaltenden Tempo beim Spiel eines und immer desselben Themas ablösen und führt zum Schluss unausweichlich in die auskomponierte klangliche Katastrophe.
Trotz einiger Ansatzprobleme und klanglicher Trübungen in den Holzbläsern stellte sich in einer nuancenreichen Mischung der Instrumentalfarben– hier sollen Saxophon und Posaune besonders herausgestellt werden – die Faszination raumgreifender Bolero-Rhythmik bei vollem Streicherklang sowie hervorragender Präzision und perkussiver Brillanz der Schlagzeuginstrumente in einer klug disponierten, eher verhaltenen Wiedergabe schnell ein, die die Schlussexplosion dann umso effektvoller ausbrechen ließ.
Mit einer auch klanglich erläuternden Hörhilfe führte Siegfried Westphal sodann anhand ausgewählter Beispiele in das Erste Klavierkonzert d-Moll von Johannes Brahms ein, dessen virtuoser Anspruch an den Interpreten höchste Anforderungen stellt. Ohne Zweifel kann es als eines der bedeutendsten Werke seiner Gattung seit Beethoven gelten. Markus Gorski, der seit mehr als zwanzig Jahren Klavier und Theorie an der Musikschule der Stadt Bünde unterrichtet, griff mit hervorragend geschulter Technik insbesondere bei den Akkordstellen des ersten und dritten Satzes voll zu, ohne jedoch die von innerer Lyrik getragenen großen Gestaltungsbögen vor allem im zweiten Satz zu vernachlässigen. Die Junge Philharmonie OWL begleitete, von Siegfried Westphal vor allem im dritten Satz in den Streichern unüberhörbar an die Grenzen des zurzeit musikalisch und spieltechnisch Leistbaren geführt, mit großem Gespür für Farb-und Dynamikschattierungen und vielen klangschönen Einzelheiten.
Zum Höhepunkt des Konzertabends wurde die Wiedergabe der zwischen donnerndem Überschwang, strömender Kantabilität und geistvoller Virtuosität pendelnden fünften Sinfonie von Sergej Prokofjew. Mit zupackender Intensität legten die Musiker der Jungen Philharmonie OWL das dichte thematische Geflecht des ersten Satzes bloß und leuchteten die vielen Finessen der Instrumentation minuziös aus.
Auch das virtuose Paradestück des Werkes, das »Allegro marcato « des zweiten Satzes, war an verdichtetem Drive und an prägnanter Artikulation vor allem in den Streichern und Holzbläsern schwerlich zu übertreffen und wurde nur noch vom letzten Satz mit seinem maschinenhaft-dröhnenden Schluss in den Blechbläsern und Schlaginstrumenten bravourös übertroffen.
Begeisterter Applaus für ein Konzert, das mit einer bemerkenswert langen Spieldauer von fast drei Stunden Mitwirkende wie Zuhörer zu äußerster Konzentration herausforderte.

Junge Musiker servieren üppige Kost

Neue Westfälische Paderborn, 22. Juni 2010
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Die hingerissenen Zuhörer drei Stunden lang mit Klassik, Erklärungen und Zugaben versorgt

Paderborn. Einmal im Jahr treffen sich begabte junge Musiker, um große und anspruchsvolle Werke der Klassik zu erarbeiten. Nach nur einer Wocheintensiver Proben, einer ausgewogenen Mischung von harter Arbeit, musikalischer Herausforderung und gemeinsamer Freizeit gelingt es immer wieder, am Ende der Arbeitsphase ein geschlossen agierendes Orchester zu präsentieren. So auch in diesem Jahr, was am Sonntag in der relativ gut besuchten Paderhalle bejubelt wurde.
Relativ gut besucht wahrscheinlich nur deshalb, weil die Junge Philharmonie OWL hauptsächlich aus Detmolder und Herforder Schülern zu bestehen scheint, die ausgezeichneten Talente aus Paderborn fehlten komplett. In diesem Jahr hatte sich das junge Orchester (die Mitglieder sind zwischen 12 und 25 Jahren alt) ganz besonders anspruchsvolle Werke ausgewählt:
Den Auftakt machte Ravels Klassik-Hit „Bolero“, anschließend Johannes Brahms langes und komplexes erstes Klavierkonzert, schlussendlich Sergej Prokofjews sowjetische Kriegssinfonie Nr. 5 mit Pauken undTrompeten.
Keineswegs leichte Kost, auch nicht für die hingerissenen Zuhörer, die mit Zugaben, Erklärungen und Umbauten satte drei Stunden in der Paderhalle verharrten, das alles ohne große Ermüdungserscheinungen.
Man wurde auch reich belohnt, der Ravel klang ausgewogen, noch ein wenig durchgezählt aber sauber gearbeitet, man brauchte halt ein wenig länger, dafür entstand eine klare Transparenz, die Holzbläser und Bläserinnen zeigten sich in guter Form und alle anderen auch.
Brahms erstes Klavierkonzert, komplex wegen seiner schwer durchzuhörenden Vielfalt an Themen, Motiven und musikalischen Kleinstgedanken folgte. Siegfried Westphal, seit 1997 Dirigent des jungen Erfolgsorchesters und aktuell Student für Musikvermittlung in Detmold führte mehr als ausführlich in die verwickelte musikalische Gedankenwelt des junge Brahms ein. Die jungen Musiker waren großartig vorbereitet, einzelne Motive aus dem Stand vorzustellen. Als dann endlich Solist Markus Gorski die Bühne betrat, war der Jubel groß, denn der sympathische Musiker trat mit Krücken an, legte sie lässig neben den Flügel, verstaute den linken Fuß etwas steif unter dem Flügel und musizierte
quasi einbeinig.
Hochachtung vor soviel Engagement, doch im Verlauf des üppigen Konzertes wurde immer deutlicher, dass der nette Musiklehrer aus Bünde (Jahrgang 1965) kein professioneller Konzertpianist ist. Zu viele Läufe liefen ins Leere, es häuften sich die kleinen und größeren Fehler, zu viel blieb im Ungenauen. Das können die Jungen besser, es gibt in OWL so viele junge Klaviertalente, denen man gerade im Zusammenspiel mit einem Jugendorchester den Vortritt lassen sollte. Dennoch ein Achtungserfolg für Markus Gorski, der sich fürden donnernden Applaus mit Claude Debussys vom Blatt gespielten „Cathedrale engloutie“ bedankte.
Der üppige sinfonische Abend klang auch üppig aus. Mit Sergej Prokofjews 5. Sinfonie wählte das Orchester gleich die größte und mächtigste seiner sieben veröffentlichten Sinfonien– eine patriotisch-heroische Kriegssinfonie mit allem was dazu gehört. Ein gelungener musikalischer Kraftakt, der mit Recht bejubelt wurde.

Mit Spielfreude zum Ziel

Bünder Zeitung, 15. Juni 2010
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Siegfried Westphal dirigiert die Jungen Philharmoniker in Bünde
Von Heike Festerling. Bünde.
Unter dem bewährten, höchst präzisen und motivierenden Dirigat von Siegfried Westphal hat die Junge Philharmonie im Stadtgarten ein anspruchsvolles Programm präsentiert.

Sie zeigte einmal mehr, dass sich in diesem Orchester eine Vielzahl von jungen, äußerst begabten Musikern befinden.
Als Einstieg wählten die jungen Künstler Maurice Ravels berühmtestes Orchesterwerk, den Bolero.
Mit höchster Präzision und Konzentration entwickelten sie über dem unendlich pulsierenden Rhythmus des Boleros, der in die Musikgeschichte eingegangen ist, die große Klangvielfalt und Dichte ihrer jeweiligen Instrumente und Instrumentengruppen, um sie zu einem gigantischen Klanghöhepunkt zu führen.
Siegfried Westphal zeigte, wie wunderbar die jungen Musiker seinem immer präsenten und deutlich modellierenden Dirigat folgen können und so auch höchst komplexe Meisterwerke der Musikliteratur in ihrem jungen Alter erfahren und bereits in ansprechender Weise durchdringen können.
Das zweite Werk des Abends war Johannes Brahms 1. Klavierkonzert in d-Moll, das in Teilen während seiner zeit als Hofmusikdirektor in Detmold entstanden ist. Markus Gorski trat bei diesem Konzert als fulminanter Pianist auf, der dieses Konzert zu einem Hörgenuss werden ließ. Mit brillianter Technik meisterte er alle technischen Hürden und zeigte sich al ein Pianist, der mitten im Werk steht. Virtuos interpretierte er den ersten Satz, in dem er zum kongenialen Partner des Orchesters wurde.
Im zweiten satz entfaltete er mit großer Ruhe die herrlichen Kantilenen seines Soloparts, um dann im dritten Satz die aufwändigen temperamentvollen Skalen und trillerfolgen zu einem großartigen Schluss zu führen. Das Publikum zeigte sich so begeistert über diese Leistung, dass Markus Gorski als Zugabe noch das wunderschöne Prelude "La cathedrale engloutie" von Claude Debussy sehr einfühlsam zu gehör brachte.
Nach der Pause stand mit Sergej Prokofjews 5. Sinfonie in B-Dur ein musikalisch komplexes Werk auf dem Programm, das die jungen Musikerinnen und Musiker vor eine große Herausforderung stellte. Mit Engagement, jugendlichem Mut und einem großen musikalischen Einfühlungsvermögen gelang ihnen eine beeindruckende Aufführung. Der große Klangapparat mit einem eindrucksvollen Schlagwerk fügte sich zu einem homogenen Ganzen, das musikalisch sehr inspirierend die Sinfonie Prokofjews zu gehör brachte. Die Gruppe der jungen Schlagzeuger hatte dabei eine sehr große Aufgabe zu bewältigen, die sie hervorragend umzusetzen wußten, so dass die anderen Instrumentalgruppen immer eine stabile rhythmische Grundlage hatten, auf denen sie ihre intensiven und zuweilen schwierigen musikalischen Themen entfalten konnten. Besonders der schwungvolle zweite Satz wirkt ausgesprochen inspirierend und voller jugendlicher Frische.
Am Ende des Konzerts zeigte sich das Bünder Publikum begeistert. Dem Dirigenten Siegfried Westphal ist nicht genug zu danken für sein Engagement, junge talentierte Musiker an solch anspruchsvolle Musikliteratur heranzuführen und ihnen damit einen tiefen und gelebten Einblick in großartige Werke der Musikgeschichte zu ermöglichen.
Mit zwei herrlichen, schwungvollen Zugaben von Prokofjew und Khatschaturian verabschiedete sich die Junge Philahrmonie OWL von ihrem Bünder Publikum.

Klassisches mit viel Gefühl

Neue Westfälische Bünde, 15. Juni 2010
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Junge Philharmonie begeisterte im Stadtgarten
Bünde. Einem Instrument Wohlklang zu entlocken erfordert viel Übung und Talent - in Harmonie mit einem ganzen Orchester für Gänsehaut zu sorgen, ist hingegen wahre Kunst. Die Musiker der Jungen Philharmonie OWL stellten im Stadtgarten virtuos unter Beweis, was sie in wenigen Proben dieses Jahres gemeinsam einstudiert hatten. Und verzauberten Liebhaber klassischer Werke in der Stadthalle.
Zum musikalischen Auftakt gaben die jungen Philharmoniker mit Maurice Ravels Bolero eines der meistgespielten Werke der Orchesterliteratur zum Besten. Anfänglich stilles und bedächtiges Spiel steigerte sich bei wechselnder Instrumentierung und einem ständigen Crescendo zu einem klangvollen Stakkato im Finale. Ein mehr als gelungener Einstieg, fand Helga Kölling: "Hervorragend. Man fühlt die Energie und Freude der Musiker."
Denn die jugendlichen Virtuosen präsentierten im Konzert ein Zusammenspiel in perfekter harmonie - eingeübt in wenigen gemeinsamen Probentagen. An zwei Wochenenden im Mai und Juni fanden interessierte Talente an den unterschiedlichen Instrumenten zusammen und studierten unter der Leitung von Siegfried Westphal das diesjährige Konzertprogramm ein.
Mit Erfolg - denn das keine Profis, sondern begabte Schülerinnen, Schüler und Studierende am Werk waren, machte sich nur positiv bemerkbar: "Toll, was diese motivierten jungen Menschen auf die Beine gestellt haben", fand Conny Lippert. Beim Klavierkonzert Nr. 1 in d-Moll op. 15 aus der Feder von Johannes Brahms begeisterte Pianist Markus Gorski. Der Musiklehrende mit über 20-jähriger Erfahrung ließ sich von einer Verletzung nicht daran hindern, an Krücken seinen Platz hinter dem Flügel einzunehmen. Und wurde dafür vom Publikum gebührend bejubelt. Im dritten Teil der Veranstaltung interpretierte die Junge Philharmonie Sergej Prokofjews Sinfonie Nr. 5 op. 100 in B-Dur. Erdacht als patriotisch-heroische, sowjetische Kriegssinfonie, wurde das Stück entsprechend mächtig instrumentiert: Volltönend hallten die Melodien der Harfen, Blas-, Streich- und Tasteninstrumente im Resonanzraum des Saales Horsa wieder. "Pure Gänsehaut", schwärmte Conny Lippert und fand massig Zustimmung seitens eines begeistert applaudierenden Publikums.

Photo: Annika Tismer

Die Junge Philharmonie im Stadtgarten Bünde am 13. Juni 2010

"Prokofjew-Sinfonie Höhepunkt"

Neue Westfälische Bünde, 31. Mai 2010:
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"Neue Konzertreihe unter neuem Namen"

Neue Westfälische Kreis Herford, 28.05.2010:
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Spielfreudig große Musik gemeistert

"Die Glocke" und "Neue Westfälische" Gütersloh, 23. Juni 2009
Kreisjugendsinfonieorchester Herford in der Stadthalle
Es hat sich offenbar in Gütersloh noch nicht ganz herumgesprochen, dass mit dem Kreisjugendsinfonieorchester Herford ein Klangkörper existiert, der an Können und Engagement den "Jungen Sinfonikern" kaum nachsteht. Denn recht überschaubar war das Publikum, das die konzertanten Großtaten der rund 70 jungen Musiker zwischen 12 und 25 Jahren unter der Leitung von Siegfried Westphal erleben wollte.
Die gut 120 Besucher aber zeigten sich von Anfang an hingerissen von der Spielfreude des Ensembles. Zumal es mit Nico Treutler einen überaus begabten Solisten in Édouard Lalos Cellokonzert d-moll zu erleben gab. Der 21 Jahre alte Detmolder, der seinen ersten Unterricht beim ehemaligen Gütersloher Claus Hütterott (Sohn des Komponisten Carl-Theodor Hütterott) in Paderborn bekommen hat und bei Prof. Tilmann Wick in Hannover studiert, ist ein Musiker, der sein Publikum nicht mit maximalem Espressivo-Spiel überwältigen, sondern mit formbewusstem Gestalten und sensiblem Ton auf die Musik aufmerksam machen möchte. So wurde gerade das herrliche Intermezzo ein Fest cantablen Cellospiels und im - belebten Mittelteil - tänzerischer Grazie, wobei das Orchester delikat begleitete.
Auch in den Ecksätzen wusste der auswendig spielende Treutler mit souveränem Gestaltungswillen zu imponieren. Die Grenzen des spanisch lodernden Temperaments dieser Musik mochte er - seinem Charakter entsprechend - (noch) nicht ganz ausgelotet haben, doch die Noblesse und tonliche Schönheit seines schlackenlosen Spiels sorgte zu Recht für minutenlangen Beifall.
So gekonnt hier das von Siegfried Westphal umsichtig geleitete Orchester begleitete, so waren anfangs in der "Freischütz"-Ouvertüre doch einige Wackler zu hören. Es dauerte allerdings nicht lange, bis sich das Ensemble so viel berechtigtes Selbstvertrauen erspielt hatte, dass auch hier die romantischen Passagen des viel gespielten Stückes ihre Wirkung nicht verfehlten. Zumal der junge Soloklarinettist in seinem kleinen Solo eine staunenswerte technische Solidität und Reife des Vortrags offenbarte.
An qualifizierten Musikern an den Schlüsselpulten eines Orchesters mangelt es dieser Truppe sicherlich nicht. Auch Peter Tschaikowskys 5. Sinfonie, die in ihrem Umfang ja nicht nur instrumentale Virtuosität, sondern auch Ausdauer verlangt, profitierte von diesen "Führungskräften". Das große Hornsolo zu Beginn geriet respektheischend, die Holzbläser bezauberten und der Paukist erwies sich als impulsive rhythmische Stütze. Insgesamt gelang es Westphal, die dunklen Klangfarben von Tschaikowskys Orchestersatz angemessen zu realisieren und auch den schicksalhaften Unterton dieser Sinfonie bis zum letztlich strahlenden Finale mit Furor und Leidenschaft zu erfüllen.
Insgesamt beeindruckte die Geschlossenheit der Darstellung ebenso wie die Reserve, mit der das Orchester nach dem kräfteraubenden Programm auch noch bei der umjubelten Zugabe exzellierte, John Williams Musik zu Steven Spielbergs Film "Indiana Jones".
Bravo.
Sören Siemers

Das KJO in der Stadthalle Gütersloh

Junge Jäger musikalischer Juwelen

Neue Westfälische Bielefeld, 30. Juni 2009
Kreisjugendsinfonieorchester begeisterte in der Oetkerhalle
Bielefeld. Was sollten Carl Maria von Webers "Freischütz" und Steven Spielbergs "Indiana Jones"gemeinsamhaben?
Genau genommen nicht viel. Dennoch: Beide sind sie auf der Suche nach einem begehrten Schatz und müssen sich zu ihm durchkämpfen. Und beiden ist eine fantastische Ouvertüre gewidmet!

So schließt sich beim Konzert des Kreisjugendsinfonieorchesters in der Oetkerhalle der dramaturgische Kreis. Auch wenn die jungen Musiker im Alter zwischen zwölf und 25 Jahren unter der Leitung von Siegfried Westphal überwiegend klassische Literatur erarbeiten, fehlt auch der Bezug zur „modernen“ Sinfonik nicht. Filmmusik-Noten, die die Programmatik von Stern-Krieger-, Gladiatoren- und Piraten- Welten wiedergeben, gehören mittlerweile ebenso zum Repertoire der Profi-Orchester, auch wegen ihrem künstlerischen Wert.
Aber zurück zu den jungen „Jägern“ musikalischer Juwelen. In Carl Maria von Webers „Freischütz“- Ouvertüre gelingt die musikalische Abbildung von ungetrübter Jagd- und Naturidylle ebenso einfühlsam wie die von düsterer Dämonie und unheilvoller Bedrohung. Bereits an diesem Werk zeigt sich – in Anbetracht des kurzen Probezeitraumes und der begrenzten Bühnenerfahrung–
eine erstaunliche Homogenität sowohl des gesamten Klangkörpers als auch der einzelnen Stimmgruppen. Füllig, ausgewogen, transparent und agil. Dass hier außerordentliche Talente am Werk sind, lässt sich unschwer heraushören. Neben einem kompakten Gesamtklang bestechen die jungen Sinfoniker durch solistische Fähigkeiten. Dies können insbesondere die Bläser beweisen, allen voran Klarinette, Fagott und Horn. Die Celli und die Bratschenvermögen ihren wohlig-warmen, bisweilen aber auch düster gefärbten Ton neben Webers Ouvertüre gleichermaßen bei Tschaikowskys 5. Sinfonie entfalten, die trotz schicksalhaften Tonfalls immer ihren zuversichtlichen Grundcharakter bewahrt. Dieses ambivalente Wechselspiel kommt ebenso deutlich hervor wie unbeschwert-tänzelnde Passagen. Satte Bläser-Tutti setzen dem Ganzen die brillante Klang-Krone auf.
In Eduard Lalos „Konzert für Cello und Orchester in d-Moll“ nimmt Nico Treutler den Solo- Part ein. Der ehemalige Preisträger von „Jugend musiziert“ auf Landes- und Bundesebene spielt im Rahmen eines Stipendiats für zwei Jahre auf einem 150 Jahre alten Cello des Pariser Geigenbaumeisters Jaques-Pierre Thibout. Den wunderbar singenden Ton des Instruments bringt Treutler vor allem im zweiten Satz des Konzerts zum Klingen. Lebendig stellen Solist und Orchester hier das zart-kantable „Andantino“ und das rasante „Allegro“ gegenüber. Durchweg fasziniert die künstlerische Reife des 1988 geborenen Detmolders: Ausdrucksstark und farbenreich gestaltet er die Kantilenen, mit Leichthändigkeit und Elastizität die schnellen Passagen. Und so kommt es auch nicht darauf an, was Webers „Freischütz“ und Spielbergs „Indiana Jones“ gemeinsam haben, wenn junge talentierte Musiker solch ein Konzerterlebnis zustande bringen, das die Zuhörer– im leider nur halb besetzten Saal – nur mit Ovationen im Stehen honorieren können.

Festlicher Rausch und wirbelnde Geigen

Lippische Landeszeitung, 29. Juni 2009
Detmold ."Lebhaft" überschreibt Paul Hindemith den ersten Satz seiner Solosonate für Cello. Nico Treutler spielte diesen Satz als Zugabe im bestens besuchten Konzerthaus. "Lebhaft" hätte als Motto über dem ganzen Konzert stehen können, das das Kreisjugendsinfonieorchester Herford am Samstagnachmittag in Detmold gab.
Mit der Ouvertüre zum "Freischütz" von Carl Maria von Weber (1786-1826), dem Cellokonzert in d-moll von Édouard Lalo (1823-1892) und der fünften Sinfonie von Pjotr Tschaikowsky (1840-1893) hatte Dirigent Siegfried Westphal Werke in die Arbeitsphase des Jugendorchesters -hier kommen die Besten aus der Region zusammen- gehoben, die alle drei vor Lebendigkeit nur so sprühen.
Da wirbeln die Geigen am Schluss der Freischütz-Ouvertüre im festlichen Rausch über die Bühne, obwohl noch wenige Minuten vorher die Klarinette hören ließ, wie den guten Max die Verzweiflung packte und der Spott folterte, da gießt Lalo in seinem Konzert virtuose Spielkunst des Solisten in eine durch das Feuer spanischer Volksmusik angefachte Romantik, da beglückt Pjotr Tschaikowski, der Großmeister der Charaktermelodie, die Zuhörer mit einem zauberhaft gebundenen, üppigen Strauß an schönen Themen.
Siegfried Westphal hatte das Orchester zu einem füe diese Altersklasse herausragenden Hörvergnügen geformt, wobei man sich im Hinblick auf die Homogenität insbesondere bei markanten Einsätzen noch mehr Exaktheit vorstellen konnte. Entscheidend für den nur zu berechtigten Erfolg beim Detmolder Publikum war aber vor allem die Verbindung von hohem musikalischem Niveau und mitreißender Spielfreude der jungen Musiker und Musikerinnen und Musiker.
Und natürlich war es ein besonderes Geschenk für die Detmolder, den hier aufgewachsenen, inzwischen natürlich an anderen Orten aufstrebenden jungen Cellisten Nico Treutler einmal vor einem solch schönen Klangkörper erleben zu dürfen.
Nico Treutler verbindet eine schier berstende Intensität der Tongebung, in der der Einfluss seines Lehrers Professor Tilmann Wick unüberhörbar ist, mit einem ganz besonders ansprechenden Glanz, den er dem Jacques-Pierre-Thibout-Cello zu entlocken vermag, das ihm die Fritz-Behrens-Stiftung zurzeit zur Verfügung stellt. Nico Treutler ist dabei nicht nur der virtuosen Kraft gewachsen, die Lalo ihm und dem Orchester abverlangt, sondern vermag auch eine ganz geheimnisvolle Lyrik zu entfalten, mit der er etwa den zweiten Satz des Konzertes eröffnete.

Grandioses Ganzes und superber Solist

Herforder Kreisblatt, 9. Juni 2009
Beeindruckendes Konzert des Kreisjugendsinfonieorchesters im Stadtpark-Schützenhof
Heike Susanne Festerling
Herford. Nur wenige Probentage hatten die jungen Musiker und Musikerinnen unter dem Dirigat Siegfried Westphals gebraucht, um am Sonntag das Publikum im großen Saal des Schützenhofes zu beeindrucken. Das Orchester hatte große romantische Werke einstudiert. Die Mitwirkenden präsentierten ein beachtliches Ergebnis.
Zu Beginn erklang die Ouvertüre aus der Oper "Der Freischütz" von Carl Maria von Weber. Die jungen Musiker zeigten bereits hier, dass sie bestens präpariert waren und mit großer Musikalität sowohl der schicksalhaften Düsternis als auch der romantischen Idylle, die dem Werk Webers innewohnt, nachspürten.
Beim zweiten Werk gesellte sich zum Orchester der junge, äußerst begabte Cellist Nico Treutler, der das Cellokonzert in d-moll von Edouard Lalo zu Gehör brachte. Völlig auswendig spielend, ließ der Solist das Publikum an seiner außergewöhnlichen Musikalität teilhaben. Sein ebenso ausdrucksstarkes wie virtuoses Spiel wurde vom Orchester ausgewogen begleitet, so dass sich das Publikum ganz auf die wunderbaren Feinheiten dieses romantischen Solokonzertes konzentrieren konnte. Nico Treutler gelang es vor allem im zweiten Satz, sein Instrument förmlich zum Singen zu bringen. Wunderbar arbeitete er die Kantilenen heraus und musizierte das Andantino mit einer zauberhaften Leichtigkeit. Der letzte Satz zeigte einmal mehr die technische Brillianz und Virtuosität des begabten Solisten, der vom Publikum mit viel Beifall für seine Leistung belohnt wurde.
Nach der Pause stand mit Peter Tschaikowskys 5. Sinfonie in e-moll ein berühmtes, höchst anspruchsvolles Werk auf dem Programm.
Das Orchester zeigte, dass es trotz der kurzen, aber intensiven Probenphase "mitten im Werk stand" und dieser diffizilen Komposition gerecht wurde. Die Musiker entwickelten ein zuweilen beachtliches Klangvolumen, ohne dabei die Differenziertheit und Präzision ihrer Stimme aufzugeben. So fügte sich die Einzelstimme zu einem grandiosen Ganzen.
Insbesondere die Holz- und Blechbläser faszinierten mit ihren präzisen und musikalisch einfühlsam interpretierten Einsätzen, die von den warmen und hingebungsvoll intonierenden Streichern aufgenommen wurden. Besonders der letzte Satz zeigt noch einmal alle musikalischen Tugenden des jungen Orchesters. Breit und klangvoll wurde das Andante maestoso angelegt, um dann in einem wahrhaft stürmisch-virtuosen Schluss zu gipfeln, der hier die ganze jugendliche Kraft und musikalische Leidenschaft des Orchesters zeigte.
Damit all dies gelingen kann, bedarf es eines einfühlsamen und den jungen Leuten nahestehenden Dirigenten: Siegfried Westphal vereint alle Tugenden, die ein Dirigent eines solch jungen, begabten Orchesters braucht. Er weiß die jungen Leute zu motivieren, ihnen neue Wege in der Musik zu zeigen und sie unter seinem ebenso präzisen, wie einfühlsamen Dirigat im Konzert zu entfalten.
Als Zugabe spielten die jungen Künstler ein Arrangement aus dem Film "Indiana Jones", das zeigte, dass das Orchester auch mit viel Spaß der leichteren Muse zugetan ist. Schon jetzt wird sich mancher Zuhörer auf das Konzert nach der Probenphase im nächsten Jahr freuen.

Stern der Woche

Lippische Landeszeitung, Neue Westfälische Bielefeld/Paderborn/Kreis Herford, Haller Kreisblatt - 21.06.2008
Siegfried Westphal für seine Arbeit mit dem Jugendsinfonieorchester des Kreises Herford
Als der Cellist Siegfried Westphal 1997 das Jugendsinfonieorchester des Kreises Herford übernahm, lag die Arbeit dort darnieder. Inzwischen ist das Orchester zu einem Klangkörper herangewachsen, der sich auch an schwierigere Werke heranwagen kann und in Spielstätten wie der Oetkerhalle Bielefeld auftritt. Die Gründung des Orchesters in den 70er Jahren ging auf eine Initiative des damaligen Kulturamtsleiters Günter Lücking zurück. Es gab in der damals jugoslawischen Partnerstadt des Kreises Herford, Sibenik, eine musikalische Jugendbegegnung. Um Jugendlichen aus demn Kreis Herford die Reise dorthin zu ermöglichen, gründete der Kreis kurzerhand das Orchester.
Es wird inzwischen sowohl vom Land als auch vom Kreis Herford und privaten Sponsoren und Spendern unterstützt. Für seine erfolgreiche Arbeit mit jungen Musikern seit mehr als zehn Jahren bekommt Siegfried Westphal den Stern der Woche. (ted)
Eine Initiative der Neuen Westfälischen (NW), der Lippischen Landeszeitung (LZ) und des Haller Kreisblatts (HK).